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  38 3017 in Hamburg
 
Gegen Ende der Dampflokzeit in Hamburg wurden einige P8 im Bw Hamburg Hauptbahnhof  noch zum Vorheizen benutzt. Hierzu wurden extra einige Loks auf  ÖLFEUERUNG ! umgebaut.
Ein Zeitzeuge ist mein Eisenbahnfreund Peter Finke aus Buchholz bei Hamburg.
Der nachfolgende Bericht und die Bilder stammen von Ihm und wurden mir dankenswerterweise zur Verfügung gestellt :




"Dies ist eine kleine Geschichte, wie sie eigentlich jeder von uns Eisenbahnliebhabern erlebt haben könnte, wenn auch natürlich in anderer Form. Sie ist nicht von großer Bedeutung, sondern ganz alltäglich und trotzdem mag sich manch einer von uns Eisenbahnfreunden darin wiederfinden. Allerdings ist das Erlebte schon 40 Jahre her und heute vielleicht doch mal erzählenswert.

Begonnen hat sie eigentlich damit, daß mich im jugendlichen Alter von 14 Jahren eine ganz harmlose Fahrradtour im Frühjahr 1964 mit meinem Freund in die Nähe des Bahnhofes in Hittfeld an der Strecke Hamburg – Bremen geführt hat und just in diesem Moment ein Dampfzug mit einem fürchterlichen Atompilz und ebensolchen Getöse abfuhr und in Richtung Bremen strebte.

Doch halt, da stimmt doch was nicht! Wieso ist denn die Lokomotive hinten am Zug und dann auch noch in Rückwärtsfahrt! Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen. Schon wurde beschlossen, diesen Fall zu fotografieren und der Sache auf den Grund zu gehen, denn das entsprach nicht den gewohnten Spielabläufen zu Hause mit der alten Märklin-Eisenbahn. Immerhin war man schon vorbelastet und hat dank der Großeltern schon in frühen Kindheitstagen regelmäßige, meist sogar wöchentliche Eisenbahnfahrten im Großraum von Hamburg geboten bekommen.

Also wurde vom Großvater die 1.Nachkriegs-Kamera in Form einer einfachen AGFA-Synchro-Box angemietet und sich für den kommenden Feiertag, den 17.Juni 1964 ein ADOX-Rollfilm 6x9 von dem letzten Taschengeld gekauft, um einen solchen, neulich in Hittfeld gesehenen Zug abzulichten. Dafür wurde der sich in Heimatnähe von Hamburg- Harburg befindliche, durch ein Drehkreuz gesicherte Fußwegübergang über die Bremer Gleise auserkoren. 

Also legte man sich auf die Lauer und erfasste auch gleich den nächsten Zug, der da kam. Natürlich war er wie alle Züge, die Lok vorn am Zug und in Vorwärtsfahrt - völlig langweilig! Trotzdem ist in diesem Moment mein erstes Eisenbahnfoto entstanden, und immerhin mit einer Schnellzuglok 03 006 des Bahnbetriebswerkes (Bw) Hamburg-Altona.

Endlich aber kam dann ein solcher „GEISTERZUG“, wie der soeben passierenden Eisenbahner nach einem kurzen Gespräch erklärte. Die Lok war am Schluß des aus diesen neuen metallisch glänzenden, später als Silberlinge bezeichneten Nahverkehrswagen gebildet – und es war eine 38er, die da fleißig in Rückwärtsfahrt (!) nachschob, soviel wurde festgestellt. Also ein voller Erfolg!

Die Ernüchterung trat dann in dem Moment ein, als nach einer Woche der Film aus der heimatlichen Drogerie abgeholt wurde. Bis auf das langweilige Bild mit der 03 006 waren alle Bilder völlig unscharf und absolut nicht zu gebrauchen. Opas Agfa-Box mit, wie ich später erfahren habe, 30-stel Sekunde Belichtungszeit war allenfalls für Verwandtschaftsbesuche geeignet, damit war das Thema Geisterzug mit großer Enttäuschung vorerst abgeschlossen.

In der Folgezeit aber haben mein Freund und ich aber die Strategie geändert und haben uns durch Verwendung einer Bahnsteigkarte von 20 Pfennigen pro Nase auf den Bahn- steigen unseres Heimatbahnhofes Hamburg-Harburg den begehrten Objekten persönlich genähert. Nun erst wurde es interessant. Nachdem man die Scheu vor den Herrgöttern auf den Maschinen abgelegt hatte, wurden diese nun mit Fragen über Fragen bombardiert. Schnell stellte sich heraus, das alle diese Geisterzuglokomotiven gar nicht von Geisterhand, sondern als sogenannte Wendezugloks von einem zweiten Lokführer im Schiebedienst bedient wurden. Und als große Überraschung waren alle diese Maschinen Lok der Baureihe 38.10 - 40, also der ehemaligen preußischen P 8, sogar in unserem Heimat-Bahnbetriebs- werk Hamburg-Harburg beheimatet! Nun gab es kein Halten mehr, die P8 wurde zum besonderen Liebling auserkoren!

Tagtäglich wurde nun gefragt, erkundet und notiert, was das Notizbuch hergab und durch Sichtungen wurden in kurzer Zeit folgende Lokomotiven erfasst : 38 1763, 2068, 2185, 2208, 2236, 2353, 2522, 3017, 3318, 3579, 3791, 4024 und 4044. Alle diese Lok hatten Wannentender von den schon verschwundenen Kriegsloks der Baureihen 42 und 52, wie man uns berichtete und - ja, das war eigentlich das Besondere, alle hatten so ganz andere Führerhäuser in geschlossener Form als die 38er, die man sonst noch in Harburg zu sehen bekam. Die kamen entweder aus dem Bw Uelzen oder gelegentlich vom Bw Bremen-Hbf und hatten den alten Kastentender T 21,5. Und wenn schon mit Wannentender, dann aber niemals mit geschlossenem Führerhaus wie „unsere“ Harburger P 8 !

In der Zwischenzeit wurde nun versucht, durch Austragen von Zeitungen den Erwerb eines eigenen Fotoapparates zu ermöglich, was aber mangels Geduld und Kenntnis der Materie nur bedingt gelungen ist. Immerhin sind in der Folgezeit doch einige Bilder von unseren Harburger Wendezug-P 8 entstanden, meist aber nicht im vorzeigefähigem Zustand.

Nun darf nicht verschwiegen werden, daß man sich natürlich auch um die anderen Lokbau- reihen gekümmert hat, insbesondere die 03, die hier im Hamburger Raum reichlich vertreten war, sowie die beliebte 78er, die 94er, die 82er, die 01.10 und alle anderen – es gab viel zu tun!

Und nun kam der Tag, der alles noch verschlimmert hat! Eines schneereichen Abends, es war der 29.Dezember 1964 und nach wunderschöner Winterwanderung im Sachsenwald bei unseren 78ern, stand eine unserer Harburger Lieblinge abfahrbereit im Hamburger Hauptbahnhof. Es handelte sich um die schon erwähnte 38 3017 des Bw Hamburg-Harburg, sie stand in gewohnter Weise hinten mit dem Tender am Zug. Genau dieser Personenzug nach Tostedt war auch unser Zug nach Hause, die 12 Kilometer nach Harburg. Es war immer ein faszinierendes Bild, in dieser gigantischen Bahnhofshalle eine Dampflok zu erleben, zumal bei dieser Kälte. Der Dampf stieg in unerreichbare Höhen auf und verflüchtigte sich irgendwo in den vielen Eisenträgern.

Gern wurden sich bei dieser Gelegenheit die erstarrten Finger am Zylinderblock der 38 3017 erwärmt. Und genau das muß der Heizer bzw der Lokführer auf der 3017 gesehen haben. Bei einer Fachfrage unsererseits über die Bedienung der Lok in diesem Schiebebetrieb, wurde plötzlich die Führerstandstür aufgerissen und es hieß: „Nun kommt man rauf und wärmt Euch erst mal auf“. Jetzt wurde uns das System mit dem Maschinentele- grafen der Bauart Hagenuk eingehend erklärt, das ja ähnlich wie dem bei den Dampfschiffen funktioniert, allerdings mit Kommandos wie „Achtung, Beschleunigen, Gut, Verzögern, Triebkraft einstellen“ usw, doch etwas davon abweicht. Dieser Maschinentele- graf hing in leichter Schräglage links leicht unterhalb des Steuerhandrades am Kessel und sah aus wie ein 10 Liter-Eimer mit Zeigerfeld und Handkurbel.

In der Zwischenzeit aber war die Abfahrtszeit herangekommen, unser Meister wurde plötzlich von einem zweimaligen Hupton irgendwo oben im Dunkel des Führerstandes von seinem Kollegen vorn im Steuerwagen aus seiner Erklärungswut gerissen. Nach einer kurzen Frage unseres Fahrzieles kam dann die Worte, die man nie vergisst: „Nun bleibt man hier oben und fahrt mit“. Nichts lieber als das!!! Die erste Fahrt im Leben auf einem Führerstand als nachträgliches Weihnachtsgeschenk! Unglaublich!

Was dann geschah war ebenso unvergeßlich .

Panikartig wurden 4 bis 5 Schaufeln Kohle aufgeworfen, die Steuerung auf Rückwärtsfahrt gekurbelt und dann folgte der Griff zum Regler. Mit einem ohrenbetäubenden Getöse knallt unsere 38 3017 aus der Bahnhofshalle, im Licht der Bahnsteigbeleuchtung sah man die anderweitig wartenden Reisenden ehrfürchtig 3 Schritte zurücktreten! Plötzlich ertönte ein weiterer Hupton vom Kollegen vorn im Steuerwagen, denn offensichtlich waren wir zu schnell geworden. Sofort wurde der Regler geschlossen und schon tat sich ein angsteinflössendes Gerumpel auf, denn mittlerweile hatten wir die südlichen Ausfahrweichen des Hauptbahn- hofes erreicht und die sind nur für 40km/h zugelassen! Auch wenn die P 8 als Wendezuglok mit Wannentender mit 100 km/h für Vorwärts- und 85 km/h für Rückwärtsfahrt zugelassen war, hatte sie doch mit ihren 1750 mm Treibraddurchmesser ohne Nachlauf- achse eine gewisse Entgleisungsfreudigkeit - wenn da der Tender nicht so gut geführt hätte.         

Nun ging`s in strammer Fahrweise weiter und schon folgten die nächsten Erklärungen. So ist es gut zu wissen, niemals mit gestrecktem Arm den Regler zu bedienen, denn bei einer plötzlichen Bedienung der Bremse vom Steuerwagen aus, geht man wegen der druckluft- bedienten Reglerschließeinrichtung, so der Lokführer, „aufrecht durch`s Fenster“. Diesen Tip haben mein Freund und ich bei unseren späteren Lokfahrten auf der 78er im Sachsenwald gern beherzigt.

Nach längerem Poltern über die Norderelbbrücken kamen wir nun zu dem Haltepunkt Veddel. Nach kurzem Halt und dem bekannten Hupton gab es wieder eine herrlich tosende Abfahrt und es fiel uns auf, daß die Hagenuk-Maschinentelegraf-Anlage gar nicht beachtet wurde. Auf kurzer Anfrage hieß es ganz lapidar „den Zinnober brauchen wir nicht, das machen wir alles mit der Tröte!“ Nun gut, das haben wir auch später bei anderen Lokmannschaften festgestellt, die Anlagen wurden nur selten verwendet. Man war ja miteinander eingespielt, hieß es...

Nach weiterer Fahrt hielten wir nun in Hamburg-Wilhelmsburg. Rechts im fahlen Licht lag das Bahnbetriebswerk und der Rangierbahnhof. Hier tobte das Leben! Und unsere 38 3017 tobt nun für uns zur letzten Abfahrt los, Druckausgleich zu, Regler auf und los geht`s! Nun gab`s die nächste Gänsehaut!

Dann wurde uns von unserem „Schiebelokbediener“, der als zweiter Mann meistens ein jüngerer Reservelokführer oder ein reglerberechtigter Heizer war, die weiteren 38er genannt, die in Harburg noch als Wendezugloks im Einsatz waren, und schon ausgemustert wurden. Natürlich hat man versucht, mitzuschreiben:

38 2161, 2207, 3019, 3238, 3240 und 3435. Alle hatten ihre Wendezugeinrichtungen nach Z-Stellung noch an nachfolgende Loks weitergeben müssen, so ist zum Beispiel unsere 38 3017 nach Erzählungen des Lokführers erst zum 30.11. 1964 im AW Bremen als letzte Wendezug-P 8 überhaupt

umgebaut worden. Und wir fuhren sozusagen am 29.12.64 auf einem Neuling! Davon war aber zu dem Zeitpunkt nichts mehr zu sehen, denn im „dampfgeführten Hamburger S-Bahn-Verkehr“ waren

stramme Fahrzeiten angesagt. Mit meistens 6 Silberlingen wurden zwischen Hamburg Hbf und Harburg die 12 km mit zwei Halten in ca.14 Min abgewickelt, da mußten die alten P 8 ganz schön ran! Immerhin ist unsere 38 3017 schon 1921 unter Fabriknummer 9567 von der Lokomotivfabrik Hanomag in Hannover-Linden gebaut und noch als alter Preuße unter Elberfeld 2568 in Dienst gestellt worden! Ganz zu schweigen von ihrem Osteinsatz im 2.Weltkrieg in Lida und Minsk im fernen Rußland! Und vor ihrer Zeit nun als Wendezuglok in Hamburg hat sie im Ruhrgebiet beim Bw Essen-Hbf bestimmt auch einiges leisten müssen!

Das Dröhnen auf der alten Süderelbbrücke und das folgende Weichengeklimper kündigte dann das Ende der Reise an. Halt in Gleis 2 in Hamburg-Harburg. Ein herzliches Dankeschön und schon stieg man ganz benommen von der Lok.

Was war das ? War das echt - oder nur ein Traum? Noch ein Blick zum Nummernschild – man liest 38 3017, ein verkürztes, auf der rechten Lokführerseite, wegen des Indusikastens. Ein Lächeln, ein Blick zu unserem Lokfüherer, ein Pfiff, ein Wink und noch mal ein tosender Abschied – das war`s!

Völlig benebelt von dem soeben erlebtem torkelt man nach Hause, möchte alle Welt daran teilhaben lassen! Aber was kommt: “ Wie siehst du denn aus, wo kommst du denn her, hast wohl wieder auf der Bahn gelegen...“

Nichtsdestotrotz hat diese Reise auf der 38 3017 nachhaltig unser weiteres Leben geprägt. Nun wurde ein sogenannter „PFIFF-CLUB“ gegründet, natürlich mit dem Namen “38 3017“ ! Damals hat die Deutsche Bundesbahn noch die Jugend angesprochen und mit der Verteilung von kostenlosen Zeitschriften mit dem Namen „PFIFF“ für die Eisenbahn geworben. Da wurden aktuelle Berichte gebracht, ausgemusterte Dampflokbaureihen und neue Elektroloks vorgestellt und Geschichten und Tips für die damals sogenannten „Lokspäher“, also uns jugendliche Eisenbahnfreunde gebracht. Sicherlich sind viele von uns dadurch erst zu unserem Hobby gekommen.

Nun gut, auf jeden Fall haben mein Freund und ich Gleichgesinnte gefunden und es wurde in Oma`s Gartenlaube ein Klubheim eingerichtet, natürlich mit Riesenposter und selbstgebastelten Loknummernschild der 38 3017 !

Nun wurde intensiv über die ganze Wendezuggeschichte ermittelt und festgestell, daß in Wiesbaden, Frankfurt(M)3, Limburg, Darmstadt und München-Hbf auch noch solche Wendezug-P 8 im Einsatz waren! Für die Statistiker gesagt, waren dies: 38 1616, 1650, 1726, 1748, 1852, 2057, 2131, 2165, 2230, 2340, 2407, 2602, 2616, 2655, 2665, 2733, 2746, 2985, 2994, 3077, 3441, 3544, 3551, 3637,3708, 3824, 3851 und 4035.

Ferner wurde festgestellt, daß unsere Harburger Wendezug-38er beginnend zum 2.Juni 1956 mit 38 3318 als erste schon recht lange in diesem Einsatz standen, damals natürlich nicht mit Silberlingen, sonder mit umgebauten sog. Donnerbüchsen, ja, sogar ehemalige alte Hamburger Wechselstrom S-Bahn-Fahrzeuge mußten als Steuerwagen herhalten! Später kamen dann die bekannten Dreiachser-Umbauwagen B 3yg und Mitteleinstiegs-Eilzugwagen als Steuerwagen dazu. Wendebahnhöfe für die Harburger P 8 waren Rotenburg(Han), Stade und Uelzen, jedoch auch Tostedt, Buxtehude und Lüneburg.

Im Frühjahr des Jahres 1965 wurde dann mit Erschrecken festgestellt, daß es unserer geliebten Wendezug-P 8 an den Kragen geht. Nach der Elektifizierung der Strecke Hannover – Hamburg am 6.April 1965 wurden nun diese Leistungen von den ersten E 41 übernommen und zum Grausen, nun schlich sich auch noch die V 100 an die verbliebenen Dampfleistungen heran!

Von nun an verschwanden unsere Wendezugloks, wie uns die Lokpersonale erzählten, nach dem fernen Neumünster in Schleswig-Holstein und zum 27.09.1965 gingen auch die letzten wie 38 1763, 2208, 2236, 3318 und unsere 3017 dorthin. Als allerletzte wurde dann die 38 4024 am 30.09.65 nach Neumünster abgegeben. Große Traurigkeit tat sich nun auf.

Anlässlich eines DB –Jugendsportfestes am 7.6.1966 in Neumünster hatten sich mein Freund und ich vorzeitig von der Truppe abgesetzt, um nach unserer 38 3017 zu suchen. Nach Betteln und Bitten wurde uns im dortigen Bahnbetriebswerk Einlaß gewährt und siehe da, da stand sie, inmitten vieler abgestellter 38er. Im Einsatz waren zu dem Zeitpunkt nur noch die 38 2208, 2236 und 4024, aber von den alten Wendezugleistungen konnten sie nur noch träumen, das war alles schon Geschichte. Nun wurden fleißig Fotos gemacht und dann hieß es Abschied nehmen von 38 3017. Wohl für immer. 

Aber estens kommt es anders, zweitens als man denkt !

Anläßlich eines Besuches am 2.Oktober 1966 des immer düster und dunkel wirkenden Bw Hamburg Hbf stand doch dort tatsächlich unsere 38 3017 und dampfte still vor sich hin ! Freude und Aufregung hielten sich die Waage. Nachdem sie am 15.09.1966 offiziell Z-gestellt wurde, hat man ihr ob ihres guten Kessels noch Heizdienste zur Vorheizung der Reisezugwagen anvertraut. Zu ihr gesellten sich damals noch die 38 2330 und 3191, die wohl als einzige ölgefeuerten P 8 in Deutschland aktiv waren. Diese beiden hatten auf ihren alten Kastentendern einen großen runden Öltank liegen. Nach Ablauf ihrer Kesselfristen, erhielten sogar noch die Nachfolger 38 3195 und 3963 ihre Öl –Tender!

Nach weiteren Besuchen unserer 3017 konnte man nun einen allmählichen Verfall der Lok feststellen und nach einem Jahr war der Tag der Entscheidung gekommen: Ein Lokschild mußte geborgen und der Nachwelt erhalten werden! Mit Hilfe und Einsehen eines Heizers konnte tatsächlich der geliebte Name der Lok abgebaut und in Verwahrung genommen werden! Das wurde auch höchste Zeit, denn am 10.Dezember 1967 stand unser Kandidat völlig abgerüstet im Bw Hmb-Harburg, das ja auch für die Verwaltung der Schrottlokomotiven zuständig war.

Am 20.Januar 1968 fanden wir unsere Lok dann auch auf dem Lokfriedhof in Buchholz (Kreis Harburg) wieder. Nun konnte der Zahn der Zeit seine volle Wirkung ausüben und die Maschine verfiel zusehens.

Wie gern hätte man das Geld und die Möglichkeiten gehabt, die Lok zu retten, aber als Lehrling wurde man da nur milde belächelt. Dabei hätten diese, seinerzeit von einem alten Husumer Lokführer, so treffend als „Patent-P8“ bezeichneten Wendezug-38er ein Denkmal verdient !

Im Juli 1968 dann, nachdem die 3017 nun am 12.März.1968 entgültig ausgemustert war, wurde sie zum „Schlachten abgeführt“ und wurde bis zum April 1969 im AW Bremen, das sie einst so liebevoll hergerichtet hat, kleingeschnitten und zerlegt. Mögen die Heftzwecken, Büroklammern und Doppel-T-Träger, die man aus ihrem Stahl gefertigt haben mag, ein besseres Schicksal erleiden...

Heute noch aber prangt an der Wand zu Hause ihr Name „38 3017“, der so oft gelesen, geschrieben und gesprochen wurde, als kleines Heiligtum, in Stahl und Aluminium.

Unvergessene 38 3017 ! "

 Peter Finke

Hier noch kurz die Nachkriegsgeschichte der Lok 38 3017:
38 3017 Essen Hbf 23.03.1947
38 3017 Essen Hbf 01.07.1950
38 3017 Essen Hbf 01.04.1958
38 3017 HH.-Harburg 01.01.1963
38 3017 HH.-Harburg 30.11.1964 Umbau Wendezuglok
38 3017 HH.-Harburg 01.01.1965
38 3017 Neumünster 01.06.1965
38 3017 z-Stellung 15.09.1966 Heizlok
38 3017 HH.-Harburg 01.01.1968
38 3017 HH.-Harburg 12.03.1968 Ausgemustert
38 3017 AW Bremen 03.1969 Zerlegung


 
 

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